Sylvia Catharina Hess   Atelier * edition * LebensSpuren  
     
  Auszug aus der Laudatio zur Verleihung des 10. Nassauer Kulturpreises „Kunst im freien Raum“  
 

 

Traumpfad

 

 


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

normalerweise hält man eine Laudatio auf einen Preisträger.
Ich möchte heute Abend jedoch gerne alle drei ausgezeichneten Werke und Preisträger würdigen, zumal sie auch relativ dicht in der Bewertung lagen.
Außerdem möchte ich vorwiegend das jeweilige ausgezeichnete Werk, weniger die Person besprechen - und das ganz subjektiv.
Das Werk beschreibt ja letztendlich den Künstler.

Nach dem Urteil der Jury habe ich mich mit viel Zeit kontemplativ mit den drei Werken auseinandergesetzt. Nach einer solchen Zeit schauender Versunkenheit erfolgt ein betrachtendes Erkennen, und damit ist einem das Kunstwerk auf einmal sehr nah und man nähert sich so dem Künstler - dem Macher - gleichermaßen an. Und es wird einem die Intention des Gestalters immer klarer - über die Wirkung des Werkes auf einen selbst.

(...)

 
 

Nun zu Silber, dem 2. Preis

Zu der Installation „Traumpfad“ von Sylvia Catharina Hess

Frau Hess ist Zeichnerin, Malerin, arbeitet skulptural und schreibt, und sie schafft es, mit diesem Vermögen Installationen wie den „Traumpfad“ zu gestalten und dreidimensionale Räume zu erschließen.

Damit sich einem die Installation von Frau Hess umfassend erschließt, muss man sie durchschreiten, kreuz und quer gehen, die Texte lesen, stehen bleiben, die Augen auf Nah und Fern einstellen, sie sozusagen als Tele und Weitwinkel streifen lassen, und sich natürlich auf den Baumstumpf setzen und verharren, reflektieren, auf sich wirken lassen.

Den Einklang von den Texten der Gedichte mit den Stelen – den sich ergebenden Raum spüren, - verloren gehen.

Mit ihrer Installation hat Sylvia Catharina Hess Räume geschaffen, die unterschiedlichste Empfindungen auslösen, die reinziehen, die unter die Haut gehen. Man wird zur Reflexion animiert, wird entführt. Auch hier spielt das Umfeld - das Natürliche, das Gras, die Bäume, die Büsche, der Hang, das Licht- und Schattenspiel - eine unterstützende Rolle. So wirkt alles wie ein verzauberter Garten. Man wird Bestandteil, Fabelwesen haben sich um einen versammelt. Ihre unterschiedlichen Mienen, Gesichter, Gestalten - sie beeinflussen. Man nimmt unwillkürlich Kontakt zu ihnen auf, den Wesen, Gnomen, Maskenmännern und Wächtern. Sie schauen mich an, sie sprechen zu mir über die Aphorismen und Gedichte. – Sie nehmen mich gefangen, machen mich befangen.

Dann lese ich „ Leben heißt ankommen und gehen.“
Als ich ging, war ich wie aufgewacht und seltsam berührt.

Danke, Sylvia, und herzlichen Glückwunsch zum 2. Preis.

 
 
(...)

Prof. Dieter Fröbisch
29. Oktober 2010

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